Wer glaubte, dass Prozessoren in Modulbauweise eine vorübergehende Erscheinung sind, hat sich wohl getäuscht. Mit dem Universal Chiplet Interconnect Express haben die führenden Prozessorhersteller das Zusammenspiel von sogenannten Chiplets jetzt standardisiert.
Der Trend, dass immer mehr Funktionen in die Hauptprozessoren verlagert werden, hat schon vor Jahren begonnen. Diskrete Bauteile wie Soundkarten waren davon ebenso betroffen wie „klassische“ Funktionen von Chipsätzen, wie Speicher- oder Schnittstellencontroller. Schließlich wanderten auch Grafikchips in die CPUs. Diese Integration bringt Vorteile mit sich, hat aber für die Hersteller auch Nachteile: Mit hochintegrierten Bausteinen kann nicht so flexibel auf Marktanforderungen reagiert werden.
In jüngster Zeit wurden daher schon die Grafikeinheiten auf extra Chips ausgelagert und je nach Bedarf als sogenannte Chiplets in die Prozessorgehäuse gepackt. In Zukunft werden noch mehr spezialisierte Chipelemente hinzukommen, wie zum Beispiel Tensor-Einheiten für Aufgaben in der künstlichen Intelligenz. Diese auf den Prozessor-Die zu integrieren, würde diese größer (was zu höheren Ausschussraten führt) und unflexibler machen. Ein Problem, das Prozessorhersteller und ihre Kunden betrifft, weshalb die Allianz nicht nur aus Chipschmieden besteht. Stattdessen sind unter anderem auch Microsoft und Meta als Kunden (und Auftraggeber), sowie TSMC als Auftragsfertiger an Bord.

Das Konzept einer einheitlichen Schnittstelle zwischen CPU und anderen Chiplets sorgt aber nicht nur dafür, dass Prozessorhersteller flexibler auf den Markt reagieren können. Es birgt auch die Möglichkeit, Chiplets von verschiedenen Herstellern zu einem Prozessor zusammenzufügen – so wie ein Computer normalerweise auch aus den Komponenten unterschiedlicher Anbieter aufgebaut ist. Eine Analogie des UCle zu PCI Express ist daher durchaus gegeben. Außerdem können Chiplets in verschiedenen Strukturgrößen hergestellt und trotzdem kombiniert werden.
Für Firmen wie Meta oder Google, die spezielle Anforderungen haben und daher selbst Prozessoren auf ARM-Basis entwerfen, könnte das den Vorteil mit sich bringen, künftig auch ohne große Eigenentwicklung maßgeschneiderte Chips einsetzen zu können.
Zusammen mit der Ankündigung hat die UCle-SIG erste Spezifikationen veröffentlicht, die Sie folgender Grafik entnehmen können.

Dass Intels Vorschlag einer standardisierten Chiplet-Schnittstelle von so vielen, teils konkurrierenden Firmen angenommen hat, lässt darauf schließen, dass der eingeschlagene Weg nicht nur der anerkannt richtige ist, sondern auch für die nächsten Jahre und vielleicht Jahrzehnte beibehalten wird. Auch für den Endkunden wird das wahrscheinlich einen Nutzen bringen: Aus Chiplets zusammengesetzte Prozessoren können von den Herstellern letztlich preiswerter gefertigt werden und der Preiskamp wird dafür sorgen, dass dieser Vorteil in irgendeiner Form auch beim Kunden ankommt.
